Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern: Vertrauen zurückzugewinnen ist eine gemeinsame Aufgabe
Demokratie muss im Alltag der Menschen erfahrbar sein
Das Ergebnis der Landtagswahl ist ein Warnruf. Viele Menschen haben Vertrauen in Politik und gesellschaftliche Institutionen verloren. Darauf gibt es kein einfaches „Weiter so“. Die Arbeiterwohlfahrt ist überzeugt: Vertrauen in unser demokratisches Gemeinwesen entsteht dort, wo Menschen erleben, dass es funktioniert – und dass sie gehört und ernst genommen werden.
Michael Bauer, Vorsitzender des AWO Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern, erklärt: „Dieses Wahlergebnis kann niemanden zufriedenstellen, dem unsere demokratische Gesellschaft am Herzen liegt. Wenn sich so viele Menschen von den bisherigen politischen und gesellschaftlichen Angeboten nicht mehr erreicht fühlen, müssen wir uns alle selbstkritisch fragen, warum das so ist. Demokratie lebt nicht allein von Wahlen. Sie muss im Alltag der Menschen ihre Handlungsfähigkeit beweisen.“
Das gilt für die Politik ebenso wie für gesellschaftliche Organisationen. Auch die AWO muss ihren Beitrag leisten.
Als Wohlfahrtsverband erleben wir täglich, wo sich entscheidet, ob Menschen unserem Gemeinwesen vertrauen: in der Kita, in der Pflege, in Beratungsstellen, in der Kinder- und Jugendhilfe, in Begegnungsstätten und in den vielen haupt- und ehrenamtlich getragenen Angeboten vor Ort.
Gerade in einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern ist eine verlässliche soziale Infrastruktur unverzichtbar. Wo Angebote verschwinden, Wege länger werden und Ansprechpartner fehlen, geht mehr verloren als eine Dienstleistung. Menschen verlieren das Vertrauen darauf, dass jemand da ist, wenn sie Unterstützung brauchen.
Deshalb reicht es nicht, soziale Angebote lediglich zu finanzieren und zu verwalten. Wir müssen zuhören, unterschiedliche Erfahrungen ernst nehmen, Entscheidungen verständlich erklären und auch dort im Gespräch bleiben, wo Auffassungen weit auseinanderliegen.
Die Arbeiterwohlfahrt steht für Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Solidarität und Toleranz. Diese Werte sind für uns keine abstrakten Begriffe. Sie müssen im täglichen Handeln sichtbar werden. Wir wollen Menschen zusammenbringen, gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen und Räume schaffen, in denen wir miteinander statt übereinander reden.
Die AWO Mecklenburg-Vorpommern wird deshalb den Dialog mit dem neuen Landtag und der künftigen Landesregierung suchen. Genauso wichtig ist für uns das Gespräch mit den Menschen – ausdrücklich auch mit denen, die sich von Politik, Verbänden und Institutionen nicht mehr erreicht fühlen.
Bernd Tünker, Geschäftsführer des AWO Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern, abschließend: „Vertrauen lässt sich nicht verordnen und auch nicht einfordern. Man muss es sich erarbeiten. Das gilt für die Politik genauso wie für uns. Sozialpolitik ist kein Reparaturbetrieb für gesellschaftliche Fehlentwicklungen und soziale Infrastruktur keine freiwillige Leistung für gute Zeiten. Beides gehört zum Fundament unseres demokratischen Gemeinwesens.”
21.09.2026 | Pressemitteilung
AWO Landesverband MV e.V.