Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist ein Weckruf

Demokratie und sozialen Zusammenhalt in Mecklenburg-Vorpommern stärken

Das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt erfüllt uns mit großer Sorge. Dass eine Partei, deren Landesverband vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird, rund 44 Prozent der Stimmen erhält, ist eine Zäsur. Dieses Ergebnis dürfen wir weder verharmlosen noch achselzuckend zur Kenntnis nehmen.

Zugleich verbietet es sich, die vielen Menschen, die der AfD ihre Stimme gegeben haben, pauschal abzuwerten oder auszugrenzen. Das Wahlergebnis bringt auch eine tiefgreifende Unzufriedenheit mit der Politik, den staatlichen Institutionen und den gesellschaftlichen Verhältnissen zum Ausdruck. Diese Unzufriedenheit muss ernst genommen werden. Wer das Vertrauen in die Demokratie zurückgewinnen will, muss zuhören, Probleme offen benennen und für die Menschen spürbare Lösungen schaffen.

Die AWO steht für Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Solidarität und Toleranz. Diese Werte sind für uns nicht verhandelbar. Deshalb widersprechen wir politischen Bestrebungen, die Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Religion, Behinderung, sexuellen Identität oder sozialen Lage abwerten oder ausgrenzen. Wir treten jedem Versuch entgegen, demokratische Institutionen zu schwächen, gesellschaftliche Gruppen gegeneinander auszuspielen oder die Arbeit der freien Wohlfahrtspflege und der Zivilgesellschaft zu behindern.

In unseren Einrichtungen und Diensten erleben wir täglich, was die Menschen bewegt: steigende Lebenshaltungskosten, fehlender bezahlbarer Wohnraum, mangelnde ärztliche Versorgung, Unsicherheit in der Pflege, Fachkräftemangel, Zukunftsängste und das Gefühl, mit den eigenen Sorgen nicht mehr gehört zu werden. Besonders in ländlichen Regionen wächst der Eindruck, von politischen Entscheidungen abgehängt zu sein.

Demokratie wird deshalb nicht allein durch Abgrenzung verteidigt. Sie muss ihre Handlungsfähigkeit beweisen. Sie braucht verlässliche soziale Sicherung, eine erreichbare öffentliche Infrastruktur, gute Bildung, eine menschenwürdige Pflege und echte gesellschaftliche Teilhabe. Ein starker Sozialstaat ist kein Nebenschauplatz, sondern eine wesentliche Grundlage für das Vertrauen in unsere demokratische Ordnung.

Das Ergebnis in Sachsen-Anhalt ist auch für Mecklenburg-Vorpommern ein Weckruf. Am 20. September 2026 entscheiden die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes über die Zusammensetzung des neuen Landtages. Wir rufen alle Wahlberechtigten auf: Gehen Sie wählen. Informieren Sie sich. Prüfen Sie, welche politischen Vorstellungen mit den Grundwerten einer offenen, solidarischen und demokratischen Gesellschaft vereinbar sind.

Als AWO sind wir parteipolitisch unabhängig. Wir geben keine Wahlempfehlung für eine bestimmte Partei. Aber wir sind nicht wertneutral, wenn Menschenwürde, Demokratie und gesellschaftlicher Zusammenhalt infrage gestellt werden.

Mecklenburg-Vorpommern braucht eine Politik, die die Probleme der Menschen ernst nimmt, demokratische Lösungen ermöglicht und niemanden zurücklässt. Dafür werden wir uns gemeinsam mit unseren Mitgliedern, Beschäftigten, Ehrenamtlichen und den vielen engagierten Menschen in unserem Land weiterhin mit aller Kraft einsetzen.

08.09.2026 | Pressemitteilung
AWO Landesverband MV e.V.

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